Decision Briefing • Arterien
Es macht keine Schmerzen. Keine Atemnot. Kein Ziehen, kein Druckgefühl. Nichts.
Und trotzdem kann eine Aussackung der Hauptschlagader in Ihrem Bauch gerade jetzt still wachsen - bis sie eines Tages reisst. Dann sterben etwa 80 % der Betroffenen, viele noch auf dem Weg ins Krankenhaus.
Das Bauchaortenaneurysma ist eine der wenigen Erkrankungen, bei denen ein einziger Vorsorge-Ultraschall buchstäblich Leben rettet. Die Forschung belegt das eindeutig.
Die grösste randomisierte Studie zu diesem Thema - die MASS-Studie mit fast 68.000 Männern - zeigte über 13 Jahre: Wer zum Ultraschall-Screening eingeladen wurde, hatte eine um 42 % geringere Sterblichkeit durch ein geplatztes Bauchaortenaneurysma. Bei denen, die tatsächlich hingingen, waren es sogar 53 %.
Dabei ist die Untersuchung denkbar einfach: Ultraschallsonde auf den Bauch, Durchmesser der Aorta messen, fertig. Schmerzlos. Keine Strahlung. Fünf Minuten.
Die ESC-Leitlinien 2024 und die ESVS-Leitlinien 2024 legen klar fest, wer gescreent werden soll: Männer ab 65 mit Rauchgeschichte, alle Männer ab 75, Frauen ab 75 mit Bluthochdruck oder Rauchgeschichte - und Geschwister oder Kinder von Betroffenen ab 50 Jahren.
Was passiert, wenn ein Befund da ist? In den meisten Fällen: erst einmal nichts ausser Beobachten. Kleine Aneurysmen werden kontrolliert. Grosse werden behandelt - entweder mit einem minimal-invasiven Stentverfahren (EVAR) oder einer offenen Operation. Beide sind gleichwertig sicher - aber sie stellen unterschiedliche Anforderungen an den Patienten.
Unser Decision-Briefing erklärt: Ab wann wird eingegriffen? Welches Verfahren passt zu wem? Was sagen EVAR Trial 1 im Lancet und die aktuelle Metaanalyse randomisierter Studien? Und was bedeutet der Befund für Ihre Familie?
Wer zur Risikogruppe gehört und noch keinen Ultraschall hatte: Fragen Sie beim nächsten Arzttermin danach.
MASS-Studie. ESC-Leitlinien 2024. ESVS-Leitlinien 2024. EVAR Trial 1 im Lancet. Eine klare Botschaft.