Decision Briefing • Venen
Fast jeder, der zum ersten Mal ein Antikoagulans verschrieben bekommt, stellt diese Frage. Und sie ist berechtigt.
Denn Blutverdünner haben einen Ruf: Sie erhöhen das Blutungsrisiko. Was, wenn ich stürze? Was, wenn ich mich schneide? Was, wenn etwas passiert und kein Arzt in der Nähe ist?
Diese Fragen sind verständlich. Aber die Antworten, die viele Patienten nie erhalten, verändern alles.
Die ARISTOTLE-Studie – die größte Vergleichsstudie zwischen dem modernen Blutverdünner Apixaban und dem alten Marcumar mit 18.201 Patienten und Vorhofflimmern – hat gezeigt: Apixaban verhindert mehr Schlaganfälle als Marcumar. Und verursacht dabei weniger Blutungen. Gleichzeitig. Das ist kein Widerspruch – das ist der Fortschritt der letzten 15 Jahre.
Die Antwort auf die Frage 'Muss das wirklich sein?' hängt von Deinem persönlichen Risikoprofil ab. Wie hoch ist Dein Schlaganfallrisiko ohne Therapie – konkret, in Prozent pro Jahr? Wie hoch ist Dein Blutungsrisiko mit Therapie? Welches Medikament passt zu Dir – und welches Gegenmittel gibt es, wenn etwas schiefgeht?
Die gute Nachricht: Für alle modernen DOAKs gibt es heute zugelassene Gegenmittel. Idarucizumab für Dabigatran seit 2015 (NEJM). Andexanet alfa für Apixaban und Rivaroxaban seit 2019 (NEJM). Die Angst 'Wenn ich blute, kann niemand helfen' ist medizinisch überholt.
Und noch etwas, das viel zu wenig besprochen wird: Viele Patienten setzen ihren Blutverdünner eigenmächtig ab – aus Angst vor Blutungen. Das ist eine der häufigsten Ursachen für vermeidbare Schlaganfälle. Der Schlaganfall, den Du nicht siehst, ist gefährlicher als die Blutung, vor der Du Dich fürchtest.
Unser Decision-Briefing gibt Dir alle Zahlen, die Du brauchst: absolutes Schlaganfallrisiko, absolutes Blutungsrisiko, NNT, Gegenmittel, Alltagsfragen – auf Basis von ARISTOTLE im NEJM, der Lancet-Metaanalyse und den ESC-Leitlinien 2020.