Decision Briefing
1.252 Patienten, 15 Jahre Beobachtung, eine klare Erkenntnis: EVAR hat einen frühen Überlebensvorteil – aber jenseits von 8 Jahren hat die offene Operation eine signifikant niedrigere aneurysmabezogene Sterblichkeit (Hazard Ratio 5,82). Die Hauptursache: sekundäre Aneurysmasackrupturen durch nicht erkannte oder nicht behandelte Endoleaks. Das bedeutet nicht, dass EVAR falsch ist. Es bedeutet, dass EVAR nur dann sicher ist, wenn die lebenslange jährliche Bildgebungs-Nachsorge konsequent wahrgenommen wird. Wer das tut, hat vergleichbare Langzeitergebnisse. Wer es nicht tut – aus Bequemlichkeit, Umzug, Vergessen oder fehlendem Zugang – geht ein ernstes Risiko ein. Die Frage ist also nicht 'Stent oder OP?' – die Frage ist: 'Bin ich jemand, der 10, 15 und 20 Jahre nach dem Eingriff zuverlässig zur jährlichen CT-Kontrolle kommt? Und was bedeutet mein Alter und mein Gesundheitszustand für die Langzeitprognose?'. Für einen 79-jaehrigen mit schwerer Herzerkrankung ist EVAR oft die einzig vertretbare Option – und der kurzfristige Vorteil ist real und wichtig. Für einen 62-jaehrigen, der noch 20+ Jahre vor sich hat, kann die offene OP die bessere langfristige Wahl sein – ohne lebenslange CTs, ohne Stentprobleme. Unser Decision-Briefing erklärt: Was ist ein Endoleak? Wann ist EVAR anatomisch nicht möglich? Was zeigt die OVER-Studie aus dem NEJM 2019? Und welche Fragen sollten vor der Entscheidung unbedingt gestellt werden?
EVAR Trial 1 im Lancet, 15 Jahre. OVER im NEJM. ESVS-Leitlinien 2024. Zwei Verfahren. Eine informierte Entscheidung.